Wenig Aufwand, große Wirkung: Als Landeskompetenzzentrum für das Ehrenamt geht die Ehrenamtsstiftung MV (EAS MV) neue Wege, um den unermüdlichen Einsatz der 540.000 Engagierten in MV sichtbarer zu machen. Mit einem neu entwickelten, praxisnahen Kompetenznachweis übersetzt die Stiftung im Ehrenamt erworbene Fähigkeiten in eine Sprache, die bei Personalverantwortlichen punktet – eine direkte Maßnahme, die auf die Landesengagementstrategie MVs einzahlt.
Erworbene Fähigkeiten schwarz auf weiß
Ob Vereinsarbeit, Eventorganisation oder Teamleitung: Wer sich ehrenamtlich engagiert, erwirbt wertvolle Qualifikationen für das gesamte Leben. Doch auf dem beruflichen Lebensweg bleiben diese Fähigkeiten bislang oft unsichtbar – insbesondere bei jungen Menschen, denen es beim Berufseinstieg noch an klassischen Arbeitszeugnissen fehlt. Darüber hinaus ist vielen Engagierten nicht bewusst, über welche Qualifikationen sie tatsächlich verfügen. Der neue Kompetenznachweis der EAS MV schafft hier Abhilfe: Er stärkt die Selbstreflexion innerhalb der Vereine im Land, entlastet sie von bürokratischem Aufwand und gibt Engagierten einen offiziellen Nachweis an die Hand, der die eigene Bewerbung für Ausbildung, Studium oder Job aufwertet.
Brücke zwischen Ehrenamt und heimischer Wirtschaft
Dr. Adriana Lettrari, geschäftsführende Vorständin der Ehrenamtsstiftung MV, betont den praktischen Nutzen für die Region: „Wer sich ehrenamtlich engagiert, übernimmt Verantwortung, organisiert Projekte und wächst an neuen Herausforderungen. Die Fähigkeiten, die dabei in den Bereichen Kommunikation, Organisation und Teamarbeit entstehen, sind für Ausbildung, Studium und Beruf von unschätzbarem Wert. Mit dem Kompetenznachweis bauen wir eine Brücke zwischen den Engagierten und der Unternehmerschaft in MV. Wir bieten eine verständliche Sprache für Personalverantwortliche und machen Stärken dort sichtbar, wo bisher oft klassische Zeugnisse fehlten.“
Dass dieser Ansatz auch in der Praxis der regionalen Wirtschaft ankommt, bestätigt Nico Höppner, Abteilungsleiter Personal- und Vertriebsmanagement bei der OstseeSparkasse Rostock (OSPA): „Für uns ist das Instrument eine hervorragende Brücke: Es zeigt auf einen Blick, welche wertvollen Soft Skills Bewerberinnen und Bewerber mitbringen. Gleichzeitig stärkt es den Stellenwert des Ehrenamts in unserer Region – eine Haltung, die wir als OSPA aus Überzeugung teilen.“
Entstehung und Aufbau: Wie der Nachweis funktioniert
Entwickelt wurde der neue Kompetenznachweis von der Ehrenamtsstiftung MV in Zusammenarbeit mit der in Berlin ansässigen Akademie für Ehrenamtlichkeit. Grundlage für das neue Instrument ist ein bewährtes Kompetenzmodell, das soziale, personale und organisationale Stärken systematisch erfasst. Der Nachweis gliedert sich dabei in konkrete Themenfelder, in denen die persönlichen Erfahrungen und Leistungen dokumentiert werden:
- Aufgabenbereiche: Kurze Beschreibung der übernommenen Verantwortung (z. B. Eventorganisation, Betreuung, Verwaltung, Anleitung oder handwerkliche Aufgaben).
- Personale & Soziale Kompetenzen: Erfassung von Stärken wie Zuverlässigkeit, Selbstständigkeit, Eigeninitiative, Lernbereitschaft, Einfühlungsvermögen und Verantwortungsbereitschaft.
- Kommunikation & Zusammenarbeit: Nachweis über Kommunikationsfähigkeit, Teamfähigkeit, Konfliktlösungsfähigkeit sowie interkulturelle Kompetenz.
- Handlung & Problemlösung: Nachweis von Organisationsfähigkeit, Problemlösekompetenz und dem zielgerichteten Einsatz digitaler Werkzeuge.
- Zusätzliche Kompetenzen & Lernmomente: Raum für individuelle Entwicklungsschritte, besondere Erfolge und persönliche Schlüsselerlebnisse im Engagement.
Luis Schünemann aus Schwerin, der sich unter anderem als Jugendsprecher beim Deutschen Handballbund e.V. engagiert, sieht im neuen Kompetenznachweis einen echten Mehrwert: „Für uns junge Engagierte ist der Nachweis eine riesige Hilfe bei Bewerbungen – er macht das eigene Profil greifbarer und absolut authentisch. Besonders stark finde ich, dass nicht einfach nur das Ehrenamt abgehakt wird, sondern ganz konkret und nachvollziehbar steht, welche Fähigkeiten und Kompetenzen man dabei erworben hat.“
In drei einfachen Schritten zum Nachweis
Der Ablauf ist bewusst einfach gehalten und steht allen Engagierten in MV offen:
- Selbstreflexionsbogen herunterladen: Formular ehrenamtsstiftung-mv.de/gutes-tun-in-mv/anerkennen/
- Erfahrungen eintragen: Eigene Aufgaben (z. B. Betreuung, Organisation, Anleitung) und Stärken mit konkreten Beispielen dokumentieren.
- Bestätigung einholen: Der Vereinsvorstand prüft die Angaben und unterzeichnet das Dokument.
Echter Bürokratie-Abbau für Vereine im Land
Der Nachweis dient nicht nur den Bewerberinnen und Bewerbern, sondern entlastet auch die Vereine vor Ort. Viele kleinere Initiativen haben weder die Zeit noch das Know-how, um aufwendige Arbeitszeugnisse zu schreiben. Der vorbereitete Leitfaden nimmt den Gremien diese Arbeit ab, stärkt das Miteinander und sorgt für eine wertschätzende Feedback-Kultur zwischen Vorstand und Mitgliedern.
