Kategorie A: Verbinden „Menschen verbinden. Vielfalt leben.“
Projekt: Alle in einem Boot | 1. Inklusives Drachenbootteam Güstrows
Interview mit Dagmar Kluge, Geschäftsführung
Worum geht es in eurem Projekt ganz konkret und wie kamt ihr auf die Idee?
„Eine Idee wäre NUR eine Idee, wären da nicht diese Kollegen….“
Als flaxe Idee zwischen Tür und Angel in den Raum geworfen, arbeite ich mit ganz wunderbaren, fleißigen Menschen in meinen Teams, die diese Idee einfach genommen und weitergetragen haben. Sie ist gewachsen, ganz schön schnell….
Beim Drachenbootsport geht es um Leistung. Es ist ein Sport, der Schweiß kostet. Uns geht es aber noch um etwas anderes: Es geht darum, das Bild von Menschen mit einer Behinderung zu verändern. Von dem Bild, dass es Menschen sind, um die wir uns kümmern und die wie umsorgen sollten, hin zu einem Bild von Menschen, die wissen, was sie können und eben auch was sie nicht oder noch nicht können. Ein Bild von Menschen, die selbstbewusst und eigenständig wissen, was ihre Rechte sind, wie sie durchgesetzt werden und was sie verdienen, weil es ganz viele Menschen gibt, die hinter ihnen stehen.
Mecklenburg-Vorpommern ist groß und vielfältig – welche Bedeutung hat euer Projekt speziell für unser Bundesland und die Menschen hier vor Ort?
Wir zeigen, das M-V ein herzliches Bundesland ist und was möglich ist, wenn Menschen für Menschen einstehen, sich verbinden und miteinander ein gemeinsames Ziel vor Augen haben.

Gänsehaut-Moment: Gab es diesen einen Augenblick, in dem ihr wusstet: ‚Genau dafür machen wir das alles!‘? Welcher war es?
Hier würde ich gerne ein Zitat eines 26-jährigen Teilnehmers mit Behinderung erwähnen (wir sind im letzten Jahr beim Turnier „Güstrower Drachenbootrennen“ gestartet), denn besser könnte ich es nicht auf den Punkt bringen: „Das ist der erste Tag in meinem ganzen Leben, wo es egal ist, dass ich nicht lesen und rechnen kann- Wir haben`s allen gezeigt“)
Für mich persönlich war das Rennen gegen das Team „Fliegenfänger“ sehr bewegend. Dieses Rennen haben wir tatsächlich gewonnen. Wir, von denen es wohl am wenigsten an diesem Tag erwartet wurde, gewinnen ein Rennen. Es war bewegend, das Team im Boot zu sehen, wie den Teilnehmern ein wenig Wasser in den Augen stand. Und ich habe mich, wenn ich ehrlich bin, auch für mich gefreut. Ich habe vom ersten Tag daran geglaubt, an die Idee, an meine Mitarbeiter und an die Teilnehmer mit Behinderung. Und ich war stolz, dass diese Idee aufgegangen ist und auf das, was wir da in jedem Besucher der Veranstaltung bewegt haben. Denn Inklusion beginnt im Kopf.
Der ganze Renntag war ein einziger Gänsehautmoment. Am Start des Tages waren viele Teilnehmer etwas skeptisch und zurückhaltend uns gegenüber. Was völlig okay war, denn als normaler Bürger hat man in der Regel wenig Berührung mit Menschen mit Handicap. Das macht unsicher. Am Ende des Tages war davon nichts mehr übrig. Bei der Siegerehrung bildeten alle anderen Team einen Spalier, durch den wir durchlaufen durften, sie klatschten und pfiffen- ein wunderschöner Moment der auch uns als Mitarbeiter ewig in Erinnerung bleiben wird
Wenn ihr nur drei Worte hättet, um das Gefühl eures Projekts zu beschreiben – welche wären das?
magisch- menschlich- herzlich…

Ehrenamt ist nicht immer nur Glitzer. Was war die verrückteste Hürde, die ihr nehmen musstet, und wie viel Kaffee (oder Fischbrötchen) war nötig, um das zu überstehen?
Die verrückteste Hürde, war sicherlich, dass der NDR uns sowohl beim Training als auch am Renntag mit Kamera, Ton und Thilo Tautz unterstützt und begleitet hat.
Der Beitrag hält diesen Tag für uns für immer fest- und dafür sind wir sehr dankbar. Wir waren alle sehr aufgeregt.
Für alle, die noch zögern: Welchen Skill oder welche Superkraft lernt man bei euch, den man in keinem klassischen Job der Welt beigebracht bekommt?
Das „Wir-Gefühl“ auf Augenhöhe. In unserem Drachenbootteam ist es nicht relevant wer Mensch mit Behinderung, Mitarbeiter, Leitender Mitarbeiter oder Pädagogische Leitung oder ehrenamtliches Mitglied ist. Wir sind alle gleich. Wir entscheiden alle zusammen. Wir paddeln zusammen, wir gewinnen zusammen und wir verlieren zusammen, wir kämpfen zusammen bis der Schweiß fließt. Unsere Superkraft ist das „WIR“, denn das ist immer stärker als das „ICH“. Dran glauben wir!
Wir beamen uns fünf Jahre vor: Was ist die schönste Schlagzeile, die wir dann über euch lesen werden?
Inklusives Drachenbootteam der Barlachstadt Güstrow gewinnt, nach den Special Olympics Landesspiele M-V die Special Olympics Deutschland. Großer Empfang auf dem Güstrower Markt.
Wie fühlt sich euer Verein so kurz vor der Preisverleihung?
Wir fühlen uns mit dem Gewinn gesehen. Wir fühlen, dass das Projekt gesehen wird und das es anscheinend Menschen gibt, die gleiche Werte für wichtig halten wie wir.
Es war aber auch ein bisschen schwierig, das Team besteht aus 21 Personen und 8 vertreten uns bei der Preisübergabe. Die Entscheidung darüber, wer nach Lübz fährt und wer eben nicht, fiel mir, ehrlich gesagt sehr schwer.
