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Landesweites Forum "Ehrenamt Flüchtlingshilfe - Engagement braucht ..." entwickelt Lösungsansätze

18.10.2015
Kohl u Seemann-Katz_Forum Flüchtlingshilfe

Hannelore Kohl und Ulrike Seemann-Katz mit den Ergebnissen des Austausch-Forums

Ein Thema spaltet Deutschland. Während die AfD am vergangenen Sonnabend mit Parolen gegen den Flüchtlingszustrom durch Rostocks Straßen zog, wurde im Peter-Weiss-Haus nach Lösungen zur Integration gesucht. Flüchtlingsrat MV e.V. und Ehrenamtsstiftung MV hatten am 17.10.2015 zum ersten Forum „Ehrenamt Flüchtlingshilfe – Engagement braucht …“ geladen. Mehr als 90 Menschen aus ganz Mecklenburg-Vorpommern waren gekommen, um sich miteinander auszutauschen und zu vernetzen – ehrenamtliche Helfer genauso wie Kommunalvertreter und Akteure hauptamtlicher Flüchtlingsbetreuung.

Deutschkurse, Kleiderkammern, Fahrradwerkstätten, Begegnungscafés, Patenschaften sind vielerorts in ehrenamtlichem Engagement entstanden und füllen Leerräume in der hauptamtlichen Aufnahme-Infrastruktur. Die Hilfsbereitschaft ist ungebrochen. Dennoch, die Teilnehmer waren gekommen um ganz klar Probleme zu benennen, die sich im ganzen Land ähneln. Stichworte wie fehlender Informationsfluss, Kompetenzwirrwarr, fehlende Koordination, Begleitung und Weiterbildung für die ehrenamtlichen Helfer und auch Abschirmung vor der Hilfe von „Laien“, die fehlende Wertschätzung fielen immer wieder. Man wünscht sich einfach eine Kommunikation auf Augenhöhe.

„Ich engagiere mich von Herzen, doch wenn ich einen ganzen Tag lang telefonieren muss, um  herauszufinden, wie ich zwei Brüder, die in unterschiedlichen Erstaufnahmestätten sitzen wieder zusammenbringen kann, verliere ich jedes Vertrauen in unsere Strukturen.“, machte eine Teilnehmerin ihrem Unmut Luft. „Das wächst mir über den Kopf“, sagt eine andere. Die 78jährige gibt seit zehn Jahren Deutschunterricht für Flüchtlinge. „Die Menschen wachsen einem ans Herz, viele haben auch in den Familien Probleme, da hilft man, wo man kann, auch bei der Wohnungssuche. Das ist ein Problempaket, das schafft man gar nicht. Aber abgeben kann ich es auch nicht. Sie sind Teil meines Lebens geworden.“

So wie sie schaffen es viele ehrenamtliche Helfer nicht, das richtige Maß zu finden und eine gesunde Distanz aufzubauen. Viele sind jetzt schon am Limit ihrer Zeit und Kraft. „Unterstützung wie ein regelmäßiger Austausch und Weiterbildungen fehlen, genau wie ein landesweites Kompetenzzentrum für die vielen Fragen zur Flüchtlingshilfe, die die Ehrenamtlichen haben.“, sagt Ulrike Seemann-Katz, Vorstandsvorsitzende des Flüchtlingsrates MV. „Dass es ohne das zivilgesellschaftliche Engagement nicht ginge, sehen wir in den letzten Wochen ganz klar, doch das Ehrenamt hat stellenweise deutlich zu viel zu tun, weil hauptamtliche Strukturen nicht funktionieren. Wir müssen eine klare Abgrenzung finden, zwischen dem, was ehrenamtlich geleistet werden kann und dem was das Hauptamt übernehmen muss.“

Hannelore Kohl, Vorstandsvorsitzende der Ehrenamtsstiftung zieht ein positives Fazit: „Das Forum hier heute war ein erster Auftakt zur landesweiten Vernetzung und Verbesserung der Bedingungen für die tausenden ehrenamtlichen Flüchtlingshelfer. Wir hatten so viel Kompetenz und unterschiedliche Perspektiven in einem Raum versammelt, dass wir viele Lösungsansätze mitnehmen und weiterentwickeln können. Das betrifft Austauschforen und Themen für Weiterbildungen genauso wie den Dialog mit staatlichen Strukturen zur Wertschätzung und Anerkennung dieses Engagements.“
Flüchtlingsrat und Ehrenamtsstiftung bringen in Kooperation mit der Diakonie MV eine erste Zusammenstellung der häufig gestellten

Fragen und Antworten rund um die Flüchtlingshilfe in einem Handbuch für ehrenamtliche Helfer heraus. „Flüchtlingshilfe konkret“ wird es heißen. Beide bieten erste Weiterbildungsveranstaltungen und finanzielle Unterstützung aus Sonderfonds an. „Und natürlich werden wir diese Art landesweites Austauschforum auf jeden Fall wieder machen, fasst Seemann-Katz das Ergebnis dieses Tages zusammen.

Mehr zu den Unterstützungsangeboten für ehrenamtliche Flüchtlingsbetreuer unter www.ehrenamtsstiftung-mv.de sowie www.fluechtlingsrat-mv.de

 



Kontakt für weitere Informationen: Susann Plant | Tel: 03843 77499-17 | E-Mail: plant@ehrenamtsstiftung-mv.de