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Kuratorium entwickelt Perspektiven aus dem Lockdown

08.03.2021
Kuratorium_Aufbruchstimmung

Frühlingserwachen des Ehrenamts in Mecklenburg-Vorpommern. Das Kuratorium der Ehrenamtsstiftung MV tritt zusammen und entwickelt neue Perspektiven für die Zeit nach dem Lockdown.

Dr. Rosemarie Wilcken und Prof. Wolfgang Methling sind von den Vertreter*innen der Engagementlandschaft in Mecklenburg-Vorpommern heute als Vorsitzende und stellv. Vorsitzender bestätigt worden. 

 

Eingangsimpuls zum Aufbruch von Dr. Rosemarie Wilcken

Zu schön wäre es, wenn wir analog in einem Raum wären! Ich vermisse den persönlichen Kontakt. Gern erinnere ich mich an frühere Kuratoriumssitzungen mit lebhaften und kontroversen Diskussionen und temperamentvollen Wortmeldungen. Es ist der Geschäftsstelle der Ehrenamtsstiftung MV zu verdanken, dass wir uns als Mitglieder des Kuratoriums nicht ganz aus den Augen verloren haben.

Die vergangenen 12 Monate haben den meisten von uns beruflich und im persönlichen Umfeld viel Kraft und Kreativität abverlangt. Für die meisten war es nicht einfach den eigenen Wirkungskreis am Laufen zu halten.

Jetzt müssen wir den Weg aus der Pandemie finden. Damit stehen uns die großen Aufgaben und Herausforderungen noch bevor.

Wir nehmen eine Müdigkeit in unserem Land wahr, das Vertrauen in die repräsentative Demokratie und die großen Organisationen schwindet. Diesen Prozess hat die Pandemie noch beschleunigt. Wenn sich staatliche Institutionen aus der Fläche zurückziehen, können ehrenamtliche Strukturen einen Teil auffangen, aber nicht alles abfangen. Dennoch darf dort kein gefährliches Vakuum entstehen. Das bedeutet, dass durch die Pandemie und den Lockdown das bürgerschaftliche Engagement in der Zivilgesellschaft noch dringender wird.

Dieses Gremium der Ehrenamtsstiftung hat das Potential, solche Prozesse zu beeinflussen. Die Ehrenamtsstiftung MV mit ihren haupt- und ehrenamtlichen Bereichen ist eine anerkannte Organisation, die sowohl in Städten als auch im ländlichen Raum agieren kann. Sie kann neben einer Förderung auch kreative Kräfte freisetzen und motivieren.

Über die eigenen Netzwerke von uns Kuratoren, kann es auch ohne persönlichen Kontakt gelingen, den gesellschaftlichen Zusammenhalt zu fördern und zu entwickeln. Dazu braucht es den neben der eigenen Motivation und Kreativität den Anstoß an weitere Menschen. Wir müssen nicht nur durchhalten, sondern Aufbruch vermitteln. Hilfsweise können wir dazu auch die digitalen Kanäle nutzen. Ein digitales Engagement, das dann hoffentlich bald in eine analoge Lebenswelt überführt werden kann.

Weshalb braucht es gerade jetzt unsere Anstrengungen?

Es fehlt in diesen Coronazeiten die freiwillige Gemeinschaftsbildung, die das tragende Fundament der Gesellschaft ist. In solchen freiwilligen Gemeinschaften in Vereinen, Gewerkschaften, Kirchgemeinden werden Grundlagen für das menschliche Zusammenleben, Teilhabe, Selbstorganisation und des demokratischen Grundverständnisses gelegt und eingeübt.

Manche Gemeinschaften sind durch den Shutdown zerbrochen und müssen wieder hergestellt werden. Entscheidend ist das Zusammenkommen und der gesellschaftliche Zusammenhalt. Die Mechanismen der Demokratie dürfen nicht verkümmern.

Corona wirkt wie ein Brennglas, in dem sich ungelöste Fragen sammeln und Grundwidersprüche verschärfen. In den gesellschaftspolitisch ablaufenden Prozessen kommt dem bürgerschaftlichen Engagement eine Wächterfunktion zu.

Folgende Thesen würde ich als Grundlage der Diskussion vorschlagen:

1 | Bürgerschaftliches Engagement ist nicht nur Freizeitvergnügen, es ist ein zentrales Element unserer Zivilgesellschaft und der demokratischen Grundordnung!

2 | Prosoziales Verhalten ist im Menschen angelegt und muss als Angebot gewertet werden. Der Wunsch zum Helfen und Engagement ist ein Grundbedürfnis der Menschen. Der Wunsch nach einem aktiven Leben und Teilhabe an der Gestaltung der eigenen und gesellschaftlichen Lebensverhältnissen treiben Menschen an.

3 | Da sollten wir versuchen unsere Mitbürger abzuholen. Wir haben zum Glück unsere Ehrenamtsstiftung MV, nichts desto trotz hat das bürgerschaftliche Engagement noch nicht den Stellenwert in der Gesellschaft, der ihm zukommt. Die deutschlandweit 800.000 zivilgesellschaftlichen Organisationen müssen sich mehr Gehör verschaffen. Darunter allein 12.000 Vereine in MV. In den vergangenen Jahren ist die Zahl der Engagierten noch um 10% auf knapp 43% gestiegen. Lassen Sie uns diesen Aufwärtstrend halten und alle Unterstützung bieten, die es dazu braucht. Es geht nicht immer nur um Geld, natürlich auch, aber nicht nur.

4 | Das bürgerschaftliche Engagement hat sich in der Vielfalt der Formen in der Pandemie als robust erwiesen. Jetzt kommt es darauf an, Gelerntes zu nutzen und die Chancen zu ergreifen, die sich daraus für den Neuanfang ergeben.


Ich traue uns zu, dass wir das schaffen.

 

Perspektiven aus dem Kuratorium

1 | Ehrenamt und Engagement beruhen auf zwischenmenschlichen Kontakten, Begegnungen und Beziehungen. Um diese aufrecht zu erhalten, haben wir digitale Tools zur Überbrückung im Notbetrieb eingesetzt. Dabei haben wir festgestellt, dass sie in einem Flächenland wie MV sehr leicht Distanzen überwinden können, die Grundessenz von Engagement Gemeinschaft zu schaffen, aber nur notdürftig herstellen können.

2 | Bei der Digitalisierung sind wir alle im 1. Lehrjahr. Wir schauen uns um, probieren, testen, scheitern, versuchen es anders. Sie ist ein Prozess, bei dem die Engagierten fortlaufend Impulse, Begleitung, Austausch und finanzielle Mittel brauchen.

3 | Wir haben den digitalen Raum genutzt, um miteinander im Austausch zu bleiben - haben gemeinsam gekocht, über gesellschaftliche Fragen debattiert, uns mit Challenges in Bewegung gehalten, Filme gedreht oder aus dem Theaterstück eben ein Hörspiel gemacht. Mit Fotosessions haben wir auf gemeinsam Erreichtes zurückgeschaut und auch Überholtes ausgemistet.

4 | Aber auf dem digitalen Weg erreicht man nur einen Teil der Engagierten und Zielgruppen. Besonders Ältere haben im Lockdown ihre sozialen Kontakte eingebüßt und Aktivitäten eingestellt. Hier brauchen wir Modelle wie z.B. Tandems zwischen Jung und Alt, um sie mitzunehmen. Andersherum beobachten wir, dass sich junge Menschen im Lockdown verstärkt analog engagieren. Besonders im Tierschutz war das spürbar.

5 | Der Lockdown war gut zur Reflektion. Aber Ehrenamt lebt von der direkten Beziehung. Jetzt brauchen wir Öffnungskonzepte und vor allem Planbarkeit für unsere Aktivitäten. Wenn wir jetzt nicht anfangen, passiert im Sommer nichts.

6 | Es wird nicht wieder so werden wie vor der Pandemie. Wir werden Konzepte finden müssen, mit der Situation verantwortungsbewusst umzugehen und unsere Aktivitäten darauf anpassen. Über gute Lösungen und Ideen einen Austausch zu finden, wird helfen, die Gemeinschaft und Motivation zum Engagement wieder herzustellen.

7 | Wir müssen aus dem Kuratorium heraus Mut machen - jede/r in den eigenen Netzwerken. Wir sollten schauen, was möglich ist, gute Konzepte weitertragen und Wege finden, wieder reale Begegnungen unter den neuen Bedingungen zu ermöglichen.