Weitere Ideen gefragt: Basteln an landesweiter Ehrenamtskarte

09.04.2018
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Im November beschloss der Landtag in Schwerin die Einführung einer landesweit gültigen Ehrenamtskarte. Das Projekt nimmt langsam Kontur an. Doch sind Vorschläge weiter gefragt - und Partner aus der Wirtschaft noch rar.

Die landesweit gültige Ehrenamtskarte für Mecklenburg-Vorpommern soll nach dem Willen der Betroffenen an eine wöchentliche Mindestzeit ehrenamtlicher Tätigkeit geknüpft sein und für ein bis zwei Jahre gelten. Das ergab eine Umfrage bei den landesweit sechs Ehrenamtsmessen im Februar und März und im Internet.

Eine knappe Mehrheit der Befragten sprach sich dabei dafür aus, dass mindestens drei Stunden pro Woche im Ehrenamt für die Zuerkennung der Bonuskarte erforderlich sein sollen. Befürwortet wurde zudem, dass Vereine und Organisationen die Karte für ihre Mitglieder beantragen und dabei auch Jugendliche vom 14. Lebensjahr an vorschlagen können.

„Damit wird deutlich, dass nicht das Lebensalter ausschlaggebend sein soll für die Vergabe, sondern Quantität und Qualität ehrenamtlicher Tätigkeit“, sagte Jan Holze, Geschäftsführer der Ehrenamtsstiftung Mecklenburg-Vorpommern, die die Umfrage gestartet hatte. Die Befragung habe auch ergeben, dass sich Ehrenamtler von der landesweiten Ehrenamtskarte Vergünstigungen im Nahverkehr und auf kommunalen Parkplätzen sowie verbilligten Eintritt zu Museen oder Kulturveranstaltungen wünschen. Keinesfalls solle die Karte dazu dienen, unzureichende Aufwandsentschädigungen zu kompensieren.

Holze äußerte die Hoffnung, dass auch Firmen, Kinobetreiber und Handelsunternehmen im Land als Partner gewonnen werden können. „Eine Studie in Bayern hat gezeigt, dass Rabatte für Ehrenamtler nicht zu Umsatzeinbußen geführt haben. Kinos profitierten sogar, weil der Inhaber der Ehrenamtskarte ja meist nicht allein kam“, erklärte er.

Bei landesweit vier Bürgerforen sollen in den kommenden Wochen weitere Ideen zur Ausgestaltung der Ehrenamtskarte zusammengetragen und diskutiert werden. Der erste Fachtag ist für diesen Freitag in Stralsund geplant.

Zu der öffentlichen Diskussionsrunde im Rathaus wird auch Sozialministerin Stefanie Drese (SPD) erwartet.

Mecklenburg-Vorpommern ist eines von vier Bundesländern, in denen es noch keine landesweit gültige Ehrenamtskarte gibt. Der Landtag hatte im Vorjahr Drese daher beauftragt, bis Oktober 2018 gemeinsam mit Kommunalverbänden und Ehrenamtsstiftung ein Konzept für diese Bonuskarte zu entwickeln. Wann sie erstmals vergeben wird, ist noch unklar. Auf kommunaler Ebene existiert sie bereits, in Rostock zum Beispiel seit 2011.

Im Nordosten sind nach Angaben Dreses rund 600 000 Menschen ab 14 Jahre ehrenamtlich aktiv, in Sport- und Kulturvereinen, in sozialen und Umwelt-Organisationen, in Freiwilligen Feuerwehren und im Katastrophenschutz. Das entspreche einem Bevölkerungsanteil von 40 Prozent, dem höchsten in allen ostdeutschen Bundesländern, betonte sie.

Autor: Frank Pfaff/dpa

 

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