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Finale der Dialogtour für Vereine in Wismar

22.08.2018
PIC_20180820_Dialogtour Wismar_OZ Dana Frohbös

Foto: OZ/Dana Frohbös

Wismar | Seit knapp einem Jahr beantwortet Mathias Brodkorb Fragen zum Thema „Vereine und Steuern“. In Wismar hat er die Tour beendet.

„Ohne das Ehrenamt wäre eine gemeinwohlorientierte Gesellschaft gar nicht möglich“, sagt Rosemarie Wilcken von der Ehrenamtsstiftung MV, die gemeinsam mit dem Finanzministerium zu dem Abend eingeladen hatte. Der Staat erkennt diese wertvolle Arbeit vor allem mit Steuervergünstigungen an. Doch die Vorgaben, um davon zu profitieren, sind rechtlich streng geregelt. Mit der Dialogtour sollten Missverständnisse zwischen Verein und Finanzamt aus dem Weg geräumt werden.

„Wir wollen den Vereinen ihre Arbeit erleichtern“, sagt Mathias Brodkorb. Dabei kommt es besonders darauf an, zwischen Gemeinnützigkeit und Gemeinwohl zu unterscheiden, denn nur die Gemeinnützigkeit ist steuerlich begünstigt. Die Zwecke, die als gemeinnützig anerkannt werden, sind in Paragraf 52 der Abgabenordnung aufgelistet und sollten in der Vereinssatzung so genau wie möglich beschrieben werden. „Sonst droht die Aberkennung der Gemeinnützigkeit“, erklärt Brodkorb.

Wichtig sei auch, den Tätigkeitsbericht ordnungsgemäß auszufüllen und alle drei Jahre an das Finanzamt weiterzuleiten. „Damit beweist man als Verein seine Gemeinnützigkeit“, sagt der Minister. Ein- und Ausgaben sowie der Nachweis, wie der Satzungszweck erfüllt wurde, müssen enthalten sein. Doch meist seien Probleme dieser Art noch aus der Welt zu schaffen.

Bei einer fehlerhaften Mittelverwendung höre der Spaß allerdings definitiv auf, sagt Mathias Brodkorb. „Das ist dann Veruntreuung von Steuergeldern“, sagt er. Überlässt man beispielsweise den vereinseigenen Rasenmähertraktor – und damit Vereinsvermögen – unentgeldlich an einen Dritten, ist das nicht in Ordnung. „Nimmt man dafür aber 10 Euro, ist es wiederum rechtens, denn dann geht es ja um die Mehrung des Vereinsvermögens.“

Nach dem Vortrag konnten die Bürger ihre Fragen loswerden. „Aber das Verleihen ist ja gar nicht satzungskonform, weil es den Zweck nicht erfüllt“, gab ein Fragesteller zu bedenken. Ist es grundsätzlich auch nicht, aber mit den Einnahmen könne der Verein dann wiederum den Satzungszweck erfüllen, daher sei das Verleihen gegen Geld rechtens, entgegnete Brodkorb.

Auch Fragen zu konkreten Anliegen wurden am Montagabend beantwortet. So wollte jemand wissen, ob ein talentierter Bogenschütze des Kyudo auf Vereinskosten nach Japan fliegen dürfe, um einmal im Geburtsland der Sportart zu trainieren. Wie die meisten der gestellten Fragen wurde auch diese mit „Das kommt drauf an“ beantwortet. „Bietet der Japanreisende etwa nach Rückkehr einen Bildungsabend für die Vereinsmitglieder an, dann sei alles okay“, sagte Brotkorb. Ein anderer Vereinsvertreter wollte wissen, ob er besonders engagierte Mitglieder mit einem Tankgutschein belohnen dürfe. Ein Dankeschön sei in Ordnung, allerdings nicht in Bargeldform, erklärte Maria Schneider vom Finanzministerium.

Nach gut zwei Stunden verabschiedete sich der Minister von seinen Zuhörern mit den Worten: „Ich hoffe, der Abend war auch ein bisschen unterhaltsam.“ Und dass es so war, da waren sich alle Zuhörer einig. „Bei Finanzleuten denkt man immer an Anzugträger“, sagte Louis Oßwald, „aber die sind eher wie Eltern, die einfach das Beste für ihre Kinder wollen“. Auch Andrea Vogler-Lehmann war begeistert, obwohl sie bei Erhalt der Einladung noch dachte: „Oh, muss ich da wirklich hin?“
Ein Jahr auf Dialogtour für die Vereine im Land

1500 Vereinsvertreter nutzten die Gelegenheit, mit dem Finanzminister, ihrem Finanzamt vor Ort und den Experten der Ehrenamtsstiftung ins Gespräch zu kommen. Auf insgesamt zehn Terminen in ganz Mecklenburg-Vorpommern haben die Experten informiert, wertvolle Tipps gegeben und konkrete Fragen beantwortet. Dabei wollten sie auch aus erster Hand erfahren, wo die Ehrenamtlichen sich mehr Unterstützung wünschen und wo aus ihrer Sicht der Schuh drückt. Gestartet war die Tour am 12. September 2017 in Rostock. Weitere Stationen waren Greifswald, Güstrow, Hagenow, Neubrandenburg, Ribnitz-Damgarten, Schwerin, Stralsund und Waren.

Alle Informationen zum Thema Steuertipps für Vereine hat das Finanzministerium in einer Broschüre zusammengestellt: bit.ly/SteuerVereine.

Quelle: ostsee-zeitung.de | Dana Frohbös